{"id":1436,"date":"2022-05-25T22:02:00","date_gmt":"2022-05-25T21:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/w344a1.smart-net.at\/?p=1436"},"modified":"2023-03-10T11:16:47","modified_gmt":"2023-03-10T10:16:47","slug":"festrede-von-sandra-mayer-zur-verleihung-der-auszeichnungen-fur-frauen-in-der-spitzenforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eliserichter.net\/index.php\/2022\/05\/25\/festrede-von-sandra-mayer-zur-verleihung-der-auszeichnungen-fur-frauen-in-der-spitzenforschung\/","title":{"rendered":"Festrede von Sandra Mayer zur Verleihung der Auszeichnungen f\u00fcr Frauen in der Spitzenforschung"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Please see English version below.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Firnberg-Richter-ESPRIT-Feier Mai 2022 <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/w344a1.smart-net.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-05-23_17-39-PNL_9878-618-Luiza_Puiu-1024x682.jpg\" alt=\"Sandra Mayer \u00a9 FWF \/ Luiza Puiu\" class=\"wp-image-1438\" srcset=\"https:\/\/eliserichter.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-05-23_17-39-PNL_9878-618-Luiza_Puiu-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/eliserichter.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-05-23_17-39-PNL_9878-618-Luiza_Puiu-300x200.jpg 300w, https:\/\/eliserichter.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-05-23_17-39-PNL_9878-618-Luiza_Puiu-768x511.jpg 768w, https:\/\/eliserichter.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-05-23_17-39-PNL_9878-618-Luiza_Puiu-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/eliserichter.net\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-05-23_17-39-PNL_9878-618-Luiza_Puiu-2048x1363.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Sandra Mayer \u00a9 FWF \/ Luiza Puiu<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sehr verehrte Fest- und Ehreng\u00e4ste, Vertreter:innen des FWF, der Ministerien und der Universit\u00e4ten, liebe Mentor:innen und \u2013 am allerwichtigsten \u2013 liebe ausgezeichnete Kolleginnen,<\/p>\n\n\n\n<p>Als Literaturwissenschafterin m\u00f6chte ich gerne mit einem Zitat des irischen Schriftstellers Oscar Wilde beginnen, der im Jahr 1883 schreibt: \u201eSuccess is a science; if you have the conditions you get the result\u201c \u2013 frei \u00fcbersetzt: \u201eErfolg ist eine Wissenschaft: wenn die Voraussetzungen stimmen, f\u00fchren sie zum gew\u00fcnschten Ergebnis.\u201c Bei Wilde hat man es ja generell mit einem \u00e4u\u00dferst dankbaren und vielseitig einsetzbaren Aphorismenspender zu tun, der zum Nachdenken aber auch oft zum Widerspruch anregt; in diesem Fall, denke ich, w\u00fcrden die meisten von uns \u2013 gerade in Hinblick auf vergangene Erfolgs- und Misserfolgsgeschichten \u2013 ihm doch zustimmen. Obwohl: ganz so einfach ist es ja doch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die heute hier in diesem Festakt gefeierte und \u00f6ffentlich sichtbar gemachte Exzellenz ist das Resultat vieler Faktoren, die gemeinsam einen g\u00fcnstigen N\u00e4hrboden ergeben, auf dem sie wachsen und gedeihen kann. Zu diesen Faktoren geh\u00f6ren neben den eigentlichen Triebfedern einer wissenschaftlichen Karriere \u2013 Enthusiasmus, Leidenschaft, Engagement und Begeisterungsf\u00e4higkeit \u2013 auch eine gute Portion Zielstrebigkeit, Ausdauer, <em>und<\/em> Leidensf\u00e4higkeit, die man uns, denke ich, nicht absprechen kann. Es ist mir aber auch wichtig zu betonen, dass die Leistung, die heute hier ausgezeichnet wird, <em>immer<\/em> auch eine kollektive ist: das Resultat von Austausch, Feedback und Vernetzung, von Ermutigung und Unterst\u00fctzung, und deshalb geb\u00fchrt gro\u00dfer Dank den vielen Wegbegleiter:innen und Mentor:innen, die uns dabei helfen, die gr\u00f6\u00dften, spitzesten Steine aus dem Karriereweg zu r\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hiermit sind wir auch schon an einem Punkt angelangt, der mich bei aller Feierlaune durchaus nachdenklich stimmt, denn um die Voraussetzungen f\u00fcr Erfolg und Exzellenz zu gew\u00e4hrleisten, braucht es auch ein stabiles, unterst\u00fctzendes strukturelles Umfeld, in dem sich Visionen und Ideen langfristig entfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>So stimmt es mich z.B. nachdenklich, dass nach wie vor das Narrativ im Umlauf ist, dass prek\u00e4re und instabile Anstellungsverh\u00e4ltnisse angeblich wissenschaftliche Exzellenz f\u00f6rdern.<\/li><li>Es stimmt mich auch nachdenklich und \u00e4u\u00dferst besorgt, dass rezente politische Entwicklungen \u2013 hier sei nur als Stichwort der ber\u00fcchtigte \u201e\u00a7109 der Novelle des Universit\u00e4tsgesetzes 2002\u201c genannt \u2013 in der Praxis die prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen vieler Drittmittel-Stelleninhaberinnen noch versch\u00e4rfen und systematisch Kontinuit\u00e4ten zunichte machen.<\/li><li>Es stimmt mich nachdenklich und erm\u00fcdet mich, dass ich, als ehemalige FWF-Schr\u00f6dinger und Firnberg-Stelleninhaberin und nunmehrige Elise-Richter- und FWF-Einzelprojektleiterin, erheblichen administrativen Aufwand betreiben muss, um im Lichte dieser besorgniserregenden Entwicklungen die von mir eingeworbenen Forschungsprojekte an eine andere Forschungsinstitution (als die, an der und f\u00fcr die ich sie eingeworben habe) zu verlegen, damit Planungssicherheit und ein Minimum an Karriereperspektive gew\u00e4hrleistet sind \u2013 und hier bin ich durchaus kein Einzelfall.<\/li><li>Es stimmt mich auch nachdenklich, dass die FWF-Frauenf\u00f6rderprogramme meiner Erfahrung nach (aber auch in der vieler meiner Kolleginnen) in der Forschungslandschaft und von den Forschungsinstitutionen oft nicht als die hochkompetitiven Exzellenzprogramme wahrgenommen werden, die sie sind; gerade was die Bereitschaft angeht, jene verst\u00e4tigten Arbeitsverh\u00e4ltnisse, die das problematische Gesetz zulie\u00dfe, auch tats\u00e4chlich anzubieten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Ich bin nur ungern Diejenige, die die allgemeine Feierstimmung tr\u00fcbt (im Englischen gibt es \u00fcbrigens daf\u00fcr den sch\u00f6nen, plastisch-anschaulichen Begriff des \u201eparty-pooper\u201c). Wir sind dankbar, dass wir durch die F\u00f6rderung des FWF unserer Leidenschaft nachgehen und wissenschaftliche Forschung betreiben k\u00f6nnen. Und dennoch bin ich der Meinung, es ist essentiell, gerade im Rahmen eines solchen Festakts, die Realit\u00e4ten, mit denen exzellente Forscherinnen konfrontiert sind, anzusprechen \u2013 auch stellvertretend f\u00fcr viele meiner Kolleginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe vorhin von der Bedeutung des Gemeinschaftlichen und Kollektiven gesprochen, und ich denke, wir sind alle gefordert \u2013 Politik, Unis, Forschungsinstitutionen, F\u00f6rdergeber, und Wissenschafter:innen \u2013 gemeinsam und im Dialog die Wissenschaftskultur, sowie die Strukturen und Bedingungen, unter denen sie stattfindet und sich entwickeln kann, zum Positiven zu ver\u00e4ndern: dazu geh\u00f6rt priorit\u00e4r die Entwicklung von entprekarisierenden Karrieremodellen und langfristigen Perspektiven f\u00fcr exzellente Wissenschafter:innen in Forschung und Lehre. Und hier ist auch nicht zuletzt der FWF gefordert, seinen Einfluss geltend zu machen, sich eindeutig zu positionieren und den Exzellenzanspruch der FWF-Frauenf\u00f6rderprogramme klarer und breitenwirksamer zu kommunizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die heutige Feier ist ein guter Anlass und Rahmen f\u00fcr diesen Dialog. Sie ist aber (und vor allem!) auch Anlass, einmal kurz innezuhalten, uns zu erlauben, uns zu freuen und auf uns und unsere Leistungen stolz zu sein und gemeinsam zu feiern. Um es mit Wilde zu sagen: \u201eI never put off till tomorrow what I can possibly do \u2013 the day after.\u201c \u2013 \u201cVerschiebe nicht auf morgen was genauso gut auf \u00fcbermorgen verschoben werden kann.\u201d Und ich hier, denke ich, kann man ihm wiederum rechtgeben.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/acdh\/team\/current-team\/sandra-mayer\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sandra Mayer<\/a>, 23 Mai 2022<\/p>\n\n\n\n<p><em>English version<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Distinguished guests and representatives of the FWF Austrian Science Fund, the Federal Ministries and the Universities; dear family, friends and mentors; dear honoured colleagues,<\/p>\n\n\n\n<p>As a literary historian, I\u2019d like to start with a quote by Oscar Wilde, who wrote in a letter from 1883: \u201cSuccess is a science; if you have the conditions, you get the result.\u201d Of course, Wilde is known for his thought-provoking and sharp-tongued aphorisms on every possible \u2013 and often <em>im<\/em>possible \u2013 subject, and often one is inclined to contradict violently. In this case, however, and in the light of past experiences of success and failure, most of us would probably admit that he\u2019s got a point. And yet, things aren\u2019t quite as simple and straightforward as Wilde\u2019s catchy formula would make it seem.<\/p>\n\n\n\n<p>The much-quoted \u2018academic excellence\u2019 that is being celebrated and made visible here today is the result of a wide range of factors and conditions. What drives our academic careers, in the first place, is our innate capacity for enthusiasm, passion, commitment, and curiosity, as well as a good portion of determination, stamina, and \u2013 more than one would wish, or care to admit \u2013 a sustained readiness to wrestle with adversity. What is more, excellence and professional success are always achieved collectively: they spring from feedback and exchange, encouragement and support, provided by a whole network of friends and family, colleagues and mentors, who help us overcome, or circumvent, the biggest obstacles in our way.<\/p>\n\n\n\n<p>Talking of obstacles, there are a number of issues that fill me with great concern \u2013 because scholarly excellence and first-rate scientific research, in order to thrive and flourish, require a stable and supportive structural environment that nurtures visions and enables long-term perspectives.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>It fills me with concern, for instance, that the old, well-worn narrative that precarity and short-term employment contracts allegedly foster academic excellence is still alive and kicking.<\/li><li>It also fills me with concern that recent political developments \u2013 and here I\u2019m particularly referring to \u00a7109 of the UG Amendment 2021 \u2013 aggravate the precarious employment conditions faced by many third-party-funded (female) scholars, and thus systematically undermine continuities and stability.<\/li><li>It fills me with concern, and I find it deeply exhausting, that, as an FWF-funded Elise Richter Fellow and Standalone-Project Lead, I have been forced to go to considerable lengths to ensure that my successfully funded projects remain unaffected by these alarming developments by moving them to a different research institution. And I am not the only one who has had to resort to such measures in order to maintain some kind of career perspective for myself.<\/li><li>It also fills me with concern that \u2013 in my and many of my female colleagues\u2019 experience \u2013 the FWF\u2019s career development programmes for women are still often not perceived and treated as the highly competitive excellence programmes that they are. This becomes sadly visible in research institutions\u2019 reluctance to offer permanent posts, or even long-term employment perspectives to Elise Richter Fellowship holders.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Let me make it clear: I don\u2019t want to cast myself in the role of the \u2018party-pooper\u2019 here \u2013 there is lots to be joyful about and grateful for, not least the chance to pursue the work we\u2019re really passionate about. And yet, I believe it\u2019s crucial to address the realities many excellent female scholars find themselves confronted with, and to take them into the public sphere.<\/p>\n\n\n\n<p>Earlier, I mentioned the importance of the collective and the collaborative: it takes a collective effort by all of us \u2013 scholars, decision-makers in politics, at the universities and research institutions, and within funding bodies \u2013 to change academic culture and its structural framework for the better. Priority should be given to the generation of long-term career models and the increase of tenure-track positions, and here I also call upon the FWF Austrian Science Fund to use its influence, to position itself clearly, and to place greater emphasis on the excellence and competitive quality of its academic career development programmes for women.<\/p>\n\n\n\n<p>Today\u2019s celebration offers many opportunities for dialogue and exchange. Above all, however, this evening we should all indulge in a brief moment of happiness and reflection \u2013 for once, we should pause and take a deep breath, allow ourselves to be proud of our achievements and to celebrate them with family and friends. As Oscar Wilde would say, \u201cI never put off till tomorrow what I can possibly do \u2013 the day after.\u201d And I think, he\u2019s got a point there, too.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Please see English version below. 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